Hürdenlauf am Sportcampus Ginnheim; Foto: Lecher

Hürdenlauf am Sportcampus Ginnheim; Foto: Lecher

Der Sportcampus Ginnheim hat in den vergangenen Monaten immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt: Seit September 2015 waren in den Sporthallen Flüchtlinge untergebracht. Unermüdlich suchten und fanden Prof. Christopher Heim, der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Sportwissenschaften, und Dr. Katrin Werkmann, Direktorin des Zentrums für Hochschulsport , alternative Sportstätten für die Studierenden, damit deren praktische Übungen trotzdem stattfinden konnten. Ein Kraftakt, der sich ausgezahlt hat. Nun entspannt sich die Situation: Hessen will die Hallen jetzt schnell räumen lassen, sodass der Campus wohl schon im Sommersemester 2015 wieder genutzt werden kann.

Rund 600 junge Frauen und Männer studieren zurzeit Sport an der Goethe-Universität. Bekanntester Alumnus ist wahrscheinlich der Ex-BVB-Trainer Jürgen Klopp. Wer die Aufnahme ins Studium schaffen will, muss erst einmal einen Studierfähigkeitstest bestehen und sich in acht Sportbereichen testen lassen, von Fußball bis zu Gymnastik und Tanz.

Fachbereich 05: Sportsgeist und Tiefenanalyse; Foto: Lecher

Yogakurs am Campus Ginnheim; Foto: Lecher

Zum Studium gehört aber natürlich weit mehr, als dem eigenen Körper Höchstleistungen abzuverlangen. Die Sportwissenschaften bewegen sich an der Schnittstelle von Medizin, Trainings- und Bewegungswissenschaften, Psychologie, Pädagogik und Sozialwissenschaften.

In einer Gesellschaft, in der das Bewusstsein dafür wächst, für die eigene Gesundheit zunehmend selbst verantwortlich zu sein, und in der kein Ende des Körperkults abzusehen ist, beobachten und analysieren die Sportwissenschaften diese Entwicklungen und setzen selbst neue Impulse aus der Forschung: Prof. Winfried Banzer, der Dekan des Fachbereichs 05, wird als Sportmediziner zum Beispiel nicht müde, Sport als therapeutische Ergänzung für Krebspatienten zu empfehlen – früher war man davon ausgegangen, dass die Betroffenen sich eher schonen sollten.

Der Trend zur Vermessung der eigenen Leistungen mit Fit-Bands oder zum Leistungsabgleich mit anderen Sportlern via App wird von den Sport-Sozialwissenschaftlern untersucht (siehe Artikel zum Phänomen Self-Tracking). Vom Mainstream fast unbemerkt, formen sich außerdem unter den Athleten immer neue Trends heraus, die oft auch mit einer Sehnsucht nach mehr »Echtheit« einhergehen. Da wird dann die Stadt selbst zum Fitness-Parcours, statt sich ins Fitnessstudio zu begeben, oder man trifft sich in Crossfit-Boxen, um sich beim Zirkeltraining herauszufordern. Die Sportwissenschaftler nehmen diese Phänomene unter die Lupe, sorgen aber auch für das nötige Wissen, um den Körper gezielt und klug in Form zu bringen.

Vier Abteilungen formen das Institut für Sportwissenschaften:

Die Bewegungs- und Trainingswissenschaft bildet gewissermaßen das Fundament der Sportwissenschaften, denn in diesem Bereich geht es darum, wie sportliche Aktivität eigentlich entsteht. Die Abteilung ist in drei Arbeitsbereiche unterteilt:

  • Die »Biomechanik« greift auf die klassische Mechanik zurück, um das Zustandekommen sportlicher Leistung zu beschreiben.
  • Der Bereich »Motorische Kondition« beschäftigt sich mit den physiologischen Vorgängen während körperlicher Belastung.
  • Die »Neuronalen Aspekte« haben die Neurophysiologie von Bewegungen und motorischem Lernen im Fokus.

Die Sportmedizin wendet den Blick in mehrere Richtungen: Sportmedizinische Leistungs- Leistungs- und Funktionsdiagnostik, Prävention und Gesundheitsförderung, Bewegung und kognitive Gesundheit, Sport- und Bewegungstherapie bei chronisch Kranken´. Es geht also zum einen darum, (Leistungs)-Sportler medizinisch zu begleiten und zu beraten, zum anderen aber auch die therapeutische Wirkung von Sport zu erforschen und zu lehren, beispielswiese für die Physiotherapie. Die Sportmediziner arbeiten eng mit dem Fachbereich Medizin zusammen.

Die Sportpädagogik ist für die wissenschaftliche und praktische Ausbildung der künftigen Sportlehrer zuständig und erforscht unter anderem, wie Sport zeitgemäß gelehrt und die Lust an der Bewegung geweckt werden kann – ob bei den Profis im Leistungssport oder bei Kindern im Vorschulalter.

Sozialwissenschaften des Sports: Die Abteilung Sozialwissenschaften des Sports beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit der Verschränkung von Gesellschaft und Individuum in sportlichen Praktiken. Arbeitsschwerpunkte der Abteilung sind allgemein die Soziologie des Sports und des Körpers, im Besonderen die Soziologie des Trendsports, des Fußballs und des Kampfsports, Doping und Helden im Sport, Sport im Film, Sport und Religion, Männlichkeit im Sport sowie die Soziologie der Sportsucht.

Die Sportpädagogik ist für die wissenschaftliche und praktische Ausbildung der künftigen Sportlehrer zuständig und erforscht unter anderem, wie Sport zeitgemäß gelehrt und die Lust an der Bewegung geweckt werden kann – ob bei den Profis im Leistungssport oder bei Kindern im Vorschulalter.