Wie lässt sich über Populismus berichten, ohne diesen zu befördern? Ist Literatur eine „Empathiemaschine“, die gesellschaftliche Spaltungen überbrücken kann? Und stürzen sich abzeichnende postfaktische Tendenzen in vielen Gesellschaften die Universität als Ort der Wissenschaft in eine Krise? Am 1. Juli beginnt die dreiteilige digitale Diskussionsreihe der Frankfurter Bürgeruniversität an der Goethe-Universität zum Thema Populismus als Kulturkampf, zu der prominente Vertreter aus den Themenaspekten Medien, Literatur und Wissenschaft geladen sind.

Die Veranstaltungen, die in Kooperation mit dem Villa Aurora & Thomas Mann House e.V., dem Hessischen Literaturforum und dem Mercator Science-Policy Fellowship-Programm stattfinden, beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

Anmeldung unter: www.buerger.uni-frankfurt.de/

Wer von Populismus spricht, meint in der Regel eine autoritäre Bewegung, die im Namen des Volkes auftritt. Und die gar den Anspruch erhebt, das Volk allein zu vertreten. Was geschieht aber, wenn es populistischen Kräften gelingt, breite Teile der Bevölkerung zu polarisieren? Was geschieht, wenn auch die Medien sich in zwei Lager spalten, zwischen denen niemand mehr vermittelt? Wenn die Polarisierung eine Eigendynamik entfaltet, die nahezu alle mitreißt? In Deutschland ist diese Entwicklung – aus den USA und Polen bekannt – bislang nur in Ansätzen zu sehen. Für Johannes Völz, Professor für Amerikanistik an der Goethe-Universität, ist dies ein Grund, sich rechtzeitig mit dem Thema Populismus als Kulturkampf auseinandersetzen: „Es ist wichtig, sich mit dem Thema zu befassen, bevor wir selbst in einen Polarisierungsstrudel geraten.“

Die dreiteilige Populismusreihe, die am 1., 8., und 13. Juli gemeinsam mit Studierenden der Amerikanistik als Zoomveranstaltung organisiert wird, widmet sich mit führenden internationalen Expertinnen und Experten den Themen Massenmedien, der Rolle der fiktionalen Literatur und der Wissenschaft.

In der ersten Veranstaltung am 1. Juli unter dem Titel „Quotendruck. Massenmedien im Zeitalter des Populismus“ werden Journalisten aus traditionellen Medien – von der New York Times über FAZ bis hin zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk – zur kritischen Selbstreflexion aufgefordert: Leistet der Quotendruck mit einer immer schneller werdenden Taktung von Schlagzeilen einem Entertainment-Populismus Vorschub?

An der Podiumsdiskussion nehmen teil: Jürgen Kaube (Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung), Ina Dahlke (Wissenschaftsredaktion, Hessischer Rundfunk), James Poniewozik (Chief Television Critic der New York Times) und Helga Schmidt (WDR-/NDR-Hörfunkstudios Brüssel). Moderation: Prof. Dr. Vinzenz Hediger (Filmwissenschaftler, Goethe-Universität)

Die zweite Veranstaltung am 8. Juli „Über Rechte schreiben? Wie kann Literatur dem Populismus begegnen?“ greift die Rolle der (fiktionalen) Literatur auf: Ist die Literatur, wenn sie sich des Themas Populismus annimmt, überfordert? Schadet ihr diese gesellschaftliche Aufgabe? Oder kann, sollte sie sogar zwischen radikal verschiedenen Sichtweisen auf die Welt vermitteln?

An der Diskussion nehmen teil: Tanja Dückers (Schriftstellerin), Lukas Rietzschel (Schriftsteller), Beate Tröger (Literaturkritikerin) und Dr. Jan Wilm (Schriftsteller und Übersetzer). Moderation: Prof. Dr. Johannes Völz (Amerikanist, Goethe-Universität)

Die abschließende Veranstaltung am 13. Juli „Populismus und das postfaktische Zeitalter. Eine Krise der Universität? geht der Frage nach, ob postmoderne Denker der Relativierung von Realitäten, verkürzt gesagt: dem „postfaktischen“ Zeitalter, den Weg bereitet haben. Oder ob nicht, vor dem Hintergrund des Expertenbashings in der Corona-Pandemie, gerade den Geisteswissenschaften die Rolle zukommt zu klären, was wissenschaftliches Wissen eigentlich ist. Und welchen Stellenwert, wird gefragt, können Expertise und wissenschaftliche Erkenntnis für die Demokratie und Politik haben?

An der Podiumsdiskussion nehmen teil: Prof. Dr. Peter-André Alt (Germanist, Freie Universität Berlin, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz), Prof. Julika Griem (Anglistin, Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft), Dr. Frieder Vogelmann (Politischer Philosoph, Goethe-Universität), Prof. Dr. Margret Wintermantel (Sozialpsychologin, Universität Heidelberg, ehem. Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes). Moderation: Prof. Dr. Martin Saar (Philosoph, Goethe-Universität)

Ein ausführliches Interview mit Prof. Dr. Johannes Völz über die Populismusreihe ist in der aktuellen Ausgabe des UniReport erschienen.

Bei der Populismusreihe handelt es sich um die Hauptveranstaltung der Bürgeruniversität, die jedes Semester den lebendigen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern aus Stadt und Region pflegt. Dabei begibt sie sich an Orte in der Stadt (pandemiebedingt derzeit nicht möglich) und lädt im Gegenzug Bürgerinnen und Bürger auf die Campi der Universität ein.