UniReport online

Erfolge in der Virusforschung, gesundheitliche Folgen von COVID-19: Rückblick auf die Bürger-Universitäts-Hauptreihe

Zwei Diskussionsabende der Bürger-Universitäts-Hauptreihe waren dem hochaktuellen Thema der Corona-Pandemie gewidmet: der Erforschung ihrer virologischen Grundlagen, aber auch der körperlichen und psychischen Folgen. Dabei konnten die Referent*innen auch wieder viele Fragen der virtuell anwesenden Zuhörerschaft beantworten. Am ersten Abend sprach einleitend Prof. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für medizinische Virologie an der Goethe-Universität, über den Stand der pandemischen Entwicklung. „Deutschland ist eines der Schlusslichter in Europa“, betonte Sandra Ciesek mit Blick auf die Impfquote. Es gebe eine deutliche Korrelation zwischen der Inzidenz und der Zweitimpfquote. Die Impfung schütze einige Zeit auch vor der Übertragung. Nach ca. einem halben Jahr verfügten aber Geimpfte über keine neutralisierenden Antikörper mehr. Durch Boosterimpfungen könne man es schaffen, die 4. Welle zu brechen. SARS-CoV-2 werde irgendwann endemisch werden, nicht verschwinden, betonte Ciesek; auch im nächsten Herbst könnten die Infektionen wieder zunehmen, wenn nicht ausreichend geimpft werde. Prof. Dr. Theodor Dingermann, Professor em. für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität, erläuterte u.a., dass Lebendimpfstoffe die wirksamsten Impfstoffe seien, da sie dem Immunsystem Strukturen vorgeben, gegen das es trainiert werden soll und auch effizienter seien, weil neben Antikörpern auch T-Zellen aktiviert werden. Allerdings sei die Verträglichkeit nicht immer gegeben. Personen mit einer Immunsuprimierung sollte dieser Impfstoff nicht verabreicht werden. Medikamente, betonte Dingermann, sollten nicht als Ersatz für Impfstoffe gedacht werden. Moderiert wurde der erste Abend von Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Pharmazeut an der Goethe-Universität.

Der zweite Abend der Bürger-Universitäts-Hauptreihe war den gesundheitlichen Folgen von COVID-19 gewidmet. Prof. Dr. Maria Vehreschild, Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie am Universitätsklinikum Frankfurt, betonte, dass es sich bei Long COVID wirklich um eine Erkrankung handele, für deren Erforschung aber ein multidisziplinärer Ansatz notwendig sei. Erst durch Patientenberichte, so Vehreschild, sei die Erkrankung überhaupt erst richtig wahrgenommen worden. Prof Andreas Reif, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Frankfurt, erläuterte, dass der Lockdown bei Menschen mit einer manifesten psychischen Erkrankung möglicherweise zu einer Verschlechterung der Erkrankung führen könne; bei der Mehrheit der gesunden Allgemeinbevölkerung hingegen führten die „weichen Folgen“ des Lockdowns zu keiner Verschlechterung des psychischen Befindens. Moderiert wurde der zweite Abend von Prof. Dr. Roland Kaufmann, Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Die Digital Lectures finden im Rahmen der Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur statt.

Weitere Informationen unter www.buerger.uni-frankfurt.de

Die Veranstaltung vom 1.12.2021 zum Thema „Covid-19 und die gesundheitlichen Folgen” können Sie sich hier noch einmal anschauen.

Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 6/2021 (PDF) des UniReport erschienen.

Relevante Artikel

Öffentliche Veranstaltungen