Die Frage, wie eine Musterstipendiatin des deutschen Volkes zum „Staatsfeind Nr. 1“ werden konnte, ist ein andauerndes Rätsel. Klarer lässt es sich fassen, seitdem Ulrike Meinhofs Semesterberichte an die Studienstiftung veröffentlicht wurden.

Der Vortrag „Ulrike Meinhof – Die Geburt der Radikalität aus dem Geist der Ambivalenz“ von Prof. Matthias Bormuth am Montag, 7. Mai 2018, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main in der Reihe „Wir wir wurden, wer wir sind“ entfaltet vor diesem Hintergrund die Skizze ihres Lebens, in dem ihr Vater, der Kunsthistoriker Werner Meinhof, eine bislang verkannte Schlüsselstellung einnimmt.

Wie wir wurden, wer wir sind: Ulrike Meinhof

Sein Plädoyer, den Mängeln der Welt mit ästhetischer Ambivalenz zu begegnen, ließ Ulrike Meinhof zunehmend im politischen Radikalismus hinter sich. Die Welt verlangte Entschiedenheit, bis in den Tod. Das christliche Versprechen auf spätere Erlösung war abgelöst durch die säkulare Sehnsucht, jetzt zu handeln und alle Neigung zur verzögernden Ambivalenz radikal hinter sich zu lassen. Bormuth lehrt Vergleichende Ideengeschichte an der Universität Oldenburg.

„Wie wir wurden, wer wir sind“ wird seit 2008 von Prof. Tilman Allert, Soziologe an der Goethe-Universität, kuratiert. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester, die in diesem Jahr zehn Jahre alt wird, stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten der Kulturbewegung der 68er vor, die anlässlich des 50jährigen Jubiläums in diesem Jahr im Fokus steht.

Folgende Biografien erwarten Sie außerdem im Sommersemester:

Wie wir wurden, wer wir sind: Gudrun Ensslin

Wie wir wurden, wer wir sind: Rudi Dutschke

Wie wir wurden, wer wir sind: Ingeborg Bachmann