UniReport: Frau Reuther, müssen sich die Flüchtlinge allein um die Belegung eines Sprachkurses, das Bücher-Ausleihen etc. kümmern oder bekommen sie dabei Hilfe?

Hanna Reuther: Es gibt eine studentische Mitarbeiterin im AWP, die zweimal in der Woche Sprechstunden anbietet und darüber hinaus den Kontakt zu den Teilnehmern hält. Darüber hinaus stehen die Services des International Office und der Zentralen Studienberatung den Geflüchteten jederzeit zur Verfügung. Zudem gibt es das Angebot von AEW, an einem Tandem-Programm mit deutschen Studierenden teilzunehmen.

Werden sich die Flüchtlinge im Rahmen des Programms untereinander kennenlernen?

Ja, es wird weitere Informationsveranstaltungen im Semesterverlauf geben zu Themen wie Arbeiten in Deutschland oder Studienwahl und es gibt das Tutorium für das Online-Sprachlernprogramm, das zweimal pro Woche stattfindet. Darüber hinaus möchten wir die Teilnehmer ermutigen, gemeinsame Lernzeiten festzulegen, um sich in bestimmten Pool-Räumen der GU zu treffen oder sich über Foren/ Gruppen via OLAT zu vernetzten. Hierzu sind wir gerade mit dem HRZ im Gespräch.

Warum dürfen die Flüchtlinge Vorlesungen nur als Gasthörer besuchen?

Das ist eine Frage des Kapazitätsrechts. Es gibt ja auch viele deutsche Studienbewerber, die keinen Studienplatz bekommen und folglich keine Prüfungen absolvieren dürfen, weil es eben nur bestimmte Betreuungs- und Prüfungskapazitäten gibt.

Wie viele Leute haben sich ursprünglichbeworben um das Programm und wie viele dürfen es im nächsten Semester?

Wir sind mit 30 Personen gestartet und planen, ab dem nächsten Semester mindestens 50 Plätze anzubieten. Das Programm kann und soll weiter wachsen, ggf. auf bis zu 100 Teilnehmer oder mehr – wenn entsprechende Ressourcen vorhanden sind. Der jetzige Anfang mit 30 Personen hilft uns, zunächst die Strukturen und Prozesse stabil aufzubauen, um dann auch eine größere Anzahl aufnehmen zu können.

Wofür werden die 50.000 Euro der Aventis Foundation ausgegeben?

Vor allem für Deutschkurse und den Ausbau des Multimedialen Sprachlabors, für die studentische Mitarbeiterin im AWP, für Sachkosten wie die Durchführung von Auftakt- und Informationsveranstaltungen. Darüber hinaus erhält die studentische Initiative AEW einen kleineren Betrag für Sachkosten und Mobilitätszuschüsse, um ihre Angebote durchführen zu können.

Wie können GU-Mitarbeiter und Studierende Flüchtlingen helfen?

Jeder ist eingeladen, sich an der Initiative „Frankfurt hilft“ zu beteiligen, die vielfältige Aktionen und Unterstützungsangebote für Flüchtlinge koordiniert: www.frankfurt-hilft.de. Es gibt auch Fachbereiche oder Institute, die selbst eine Idee entwickeln, wie z. B. die neue Lesegruppe „Bordercrossers – Book Club for Refugees and Non-Refugees“ vom Institut für England- und Amerikastudien. Studierende können sich außerdem dem Tandem-Programm der studentischen Initiative Academic Experience worldwide anschließen: Hier profitiert der Asylsuchende von der kulturellen und sprachlichen Expertise des Studierenden, während dieser von dem Asylsuchenden fachspezifische Einblicke aus dessen akademischem Werdegang bekommt. [Autorin: Julia Wittenhagen]