Auf Einladung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung trafen sich fast 60 Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulleitungen aus ganz Deutschland; Foto: Uwe Dettmar / Stifterverband

Während Forschung und Lehre klar definierte Aufgabenbereiche der Hochschulleitung sind, hat in den letzten Jahren das Handlungsfeld Transfer und Kooperation an Bedeutung gewonnen. Mit dem Transferaudit berät der Stifterverband seit einigen Jahren deutsche Hochschulen bei der strategischen Weiterentwicklung ihrer Transfer- und Kooperationsbeziehungen.

Am 3. Dezember trafen sich daher auf Einladung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung fast 60 Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulleitungen aus ganz Deutschland an der Goethe-Universität, um sich über ihre Erfahrungen mit dem Transferaudit auszutauschen. Die Goethe-Universität war 2015 eine der ersten Hochschulen, die sich an einem Transferaudit beteiligte.

Der für Third Mission verantwortliche Vizepräsident der Goethe-Universität, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, erklärt im Interview wie die Goethe-Universität vom Transferaudit profitiert.

Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz; Foto: Uwe Dettmar / Stifterverband

Herr Professor Schubert-Zsilavecz, die Goethe-Universität war am 3. Dezember Schauplatz eines Netzwerktreffens vieler Hochschulleitungen aus Deutschland, die alle vom „Transferaudit“ des Stifterverbandes profitiert haben. Warum hat dieses Treffen in Frankfurt stattgefunden?

Ich bin sehr froh, dass der Stifterverband die Goethe-Universität ausgewählt hat, um nach insgesamt vier Jahren erfolgreicher Praxis mit dem Transferaudit alle darin involvierten Hochschulleitungen zu einem Netzwerktreffen nach Frankfurt einzuladen und eine erste Bilanz zu ziehen. Das zeigt vor allem eines: die Goethe-Universität wird in Sachen Transfer und Third Mission in der deutschen Universitätslandschaft als eine sehr gute Adresse wahrgenommen. Der Stifterverband hat daher die von mir ausgesprochene Einladung gern angenommen.

Die Goethe-Universität war eine der ersten deutschen Universitäten, die das vom Stifterverband initiierte Transferaudit genutzt hat. Was hat das der Goethe-Universität gebracht?

Das war eine große Chance für die Entwicklung der bei uns schon sehr breit aufgestellten Transfer- und Third-Mission-Aktivitäten. Wir haben das Transfer-Audit zunächst genutzt, um uns als Universität darüber klar zu werden, wo überall wir bereits mit der Gesellschaft, mit der Wirtschaft und mit der Politik interagieren. Das war uns bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig klar. Das Spektrum solcher Aktivitäten reicht von einer von Studenten betriebenen Klinik für Menschen ohne Krankenversicherung über das Einwerben von Deutschlandstipendien bis zur Beratung der Bundesregierung als Wirtschaftsweiser oder Chef der Gesundheitsweisen. Am Ende kamen wir auf deutlich mehr als 550 verschiedene Aktivitäten, in denen sich die Goethe-Universität mit Unterstützung der Wissenschaft bereits gesellschaftlich engagiert.

Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes mit Vizepräsident Schubert-Zsilavecz, Foto: Uwe Dettmar / Stifterverband

Die Goethe-Universität verfügt als Bürgeruniversität also bereits über ein enorm breites Spektrum an Aktivitäten. Warum dann das Transferaudit?

Sie haben recht: an Aktivitäten besteht wahrlich kein Mangel. Die Goethe-Universität ist auf diesem Feld schon aufgrund ihrer einzigartigen bürgerschaftlichen Tradition als Stiftungsuniversität sicherlich eine der aktivsten Hochschulen in Deutschland. Die Herausforderung besteht eher darin, diesen wertvollen Einzelaktivitäten einen strategischen Ansatz zu unterlegen. Denn viele diese Initiativen sind mit hohem Engagement einzelner entstanden und werden mit diesem Idealismus und oft geringsten Mitteln am Leben erhalten. Dies ist nicht immer nachhaltig. Daher war eine wichtige Frage im Rahmen des Transferaudits, wie man für die Schaffung von Transfer-und Third-Mission-Aktivitäten nachhaltigere Anreiz-und Finanzierungstrukturen schaffen kann. Das Transferaudit hat uns dabei geholfen, hier passende Ansätze zu entwickeln, die wir jetzt versuchen umzusetzen.

Können Sie einige Beispiele nennen?

Wir haben einen Rat für Third Mission etabliert sowie thematisch ausgerichtete Forums-Veranstaltungen für Third-Mission, in deren Rahmen solche Ansätze diskutiert und entwickelt werden sollen, übrigens auch mit Experten von außen. Da derzeit ein neuer Hochschulentwicklungsplan im Entstehen ist, haben wir auch eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich speziell mit der Frage von Transfer und Third Mission beschäftigt. Die dabei entstehenden Konzepte und Ideen werden ihren Niederschlag im nächsten Hochschulentwicklungsplan und bei der weiteren strategischen Entwicklung der Universität finden.

[Interview: Dr. Olaf Kaltenborn]